Benedikt Kastrup im Gespräch

Benedikt Kastrup ist seit Dezember 2020 Partner der PETER MAY Family Business Consulting. Über seine Arbeit mit Inhaberfamilien sagt der Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Mediator: „Mir sind die menschlichen Aspekte von Prozessen wichtig.“

Herr Kastrup, Sie sind seit 1. Dezember 2020 mit an Bord der PETER MAY Family Business Consulting. Und gleichzeitig als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in einer größeren Kanzlei tätig. Das klingt, als wären Sie nicht ausgelastet?

Benedikt Kastrup: (lacht) Das hat einer meiner Mandanten in der Tat auch schon vermutet. Aber dem ist ganz und gar nicht so. Das deutsche Steuerrecht, die sich ständig wandelnden Vorschriften und Regularien in Kombination mit einer immer komplexer werdenden und sich dynamischer entwickelnden globalen Wirtschaft lassen die Prüfer- und Beraterzunft nie zur Ruhe kommen.

Zu wenig Arbeit war nicht der Beweggrund für meinen Einstieg als Partner bei der PETER MAY FBC. Den Ausschlag dafür hat vielmehr ein inhaltlicher Aspekt meiner Arbeit gegeben. Ich begleite und betreue nun seit über 20 Jahren Familienunternehmen und deren Gesellschafter. Wann immer ich beispielsweise in steuerliche oder organisatorische Umstrukturierungen, Unternehmenskäufe oder -verkäufe oder Nachfolgeprojekte eingebunden war, spielten – bei nüchterner Betrachtung - steuerliche oder bewertungstechnische Fragen eine sicherlich wichtige aber eher begleitende Rolle. Es waren und sind die involvierten Menschen, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg eines Projektes entscheiden. Genauer: Es kommt darauf an, dass alle hinter einer Entscheidung stehen. Immer wieder habe ich die Erfahrung gemacht, dass die wertschätzende und faire Berücksichtigung aller Interessen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für das Gelingen von Transformationsprojekten hat.

Das Einbinden aller Interessen kann aber eben gerade nicht durch die reine Fokussierung auf eine steuerliche Prüfung, einen Vertragsentwurf oder einen Businessplan gelingen. Es braucht zusätzlich einen moderierten Prozess mit allen Beteiligten. Die Entwicklung einer Inhaberstrategie ist – wenn man so will – der Masterplan für all diese Prozesse.

Diese Erfahrungen haben also den Ausschlag für Ihren Einstieg bei der PM FBC gegeben?

Genau! Ich war und bin von der Professionalität und langjährigen Erfahrung in eben dieser Prozessbegleitung sehr beeindruckt. Und gleichzeitig ist durch die Ausbildung und Erfahrung der Partner gewährleistet, dass rechtliche, steuerliche und betriebswirtschaftliche Aspekte und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. An genau dieser Schnittstelle kann ich meine Expertise einbringen: Mit über 20 Jahren Erfahrung als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer decke ich sozusagen die technische Seite ab und meine zusätzlichen Ausbildungen zum systemischen Prozessbegleiter und Mediator helfen mir, auch die menschlichen Aspekte von Prozessen zu berücksichtigen.


Wie sehen solche Prozesse konkret aus?

Zum einen begleite ich Unternehmer, Beiräte und Geschäftsführer als Sparrings-Partner, Mentor oder Coach. Das bietet sich zum Beispiel dann an, wenn eine neue Rolle – etwa ein CEO oder CFO, der Beiratsvorsitz oder eine Position im Gesellschafterausschuss – ausgefüllt werden muss oder wenn Veränderungen wie Restrukturierungen oder M&A-Prozesse anstehen. Sehr bewährt hat sich auch die professionelle Begleitung bei einer Unternehmenskrise. Zum anderen moderiere und begleite ich Inhaberstrategie-Prozesse, den Verkauf oder Erwerb von Unternehmensteilen oder isolierte Nachfolgeprozesse.


Verraten Sie uns etwas über Ihre Stärken und vielleicht auch Schwächen?

Als gebürtiger Ostwestfale neige ich dazu, nur über meine Schwächen zu sprechen. Dazu gehört sicherlich mitunter meine Ungeduld. Und: Ich kann schlecht Nein sagen. Auf der anderen Seite spiegelt man mir immer wieder zurück, dass ich empathisch zuhören kann, Situationen und Sachverhalte präzise auf den Punkt bringe und ein Macher-Typ bin.


Herr Kastrup, Sie sind zu einem Zeitpunkt zur PM FBC gestoßen, der für Familienunternehmen anspruchsvoller nicht sein könnte: Covid-19-Krise, Zwang zur Digitalisierung, aber auch Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit, um nur einige für Familienunternehmer dringliche Themen zu nennen. Offen gefragt: Sehen Sie da für Inhaberfamilien überhaupt noch eine positive Perspektive?

Ich gebe Ihnen Recht: Aktuell darf man die Herausforderungen auf keinen Fall unterschätzen. Vor allem deshalb, weil wir uns einer sehr dynamischen Entwicklung in gleich mehreren Bereichen gegenübersehen. Genau, wie Sie es beschrieben haben. Wie eh und je sind Familienunternehmen mit oft schlanken Strukturen, großer Flexibilität und auf langfristigen Erfolg ausgerichteten Strategien aber besser auf die Notwendigkeit des Wandels vorbereitet als andere Unternehmenstypen.

Dieser Wandel kann allerdings nur erfolgreich gelingen, wenn die Familienunternehmen ihre Hausaufgaben gemacht haben. Neben klaren, flexiblen und vor allem schnellen Entscheidungsstrukturen und dynamischen, kompetenten und dem Wandel gegenüber aufgeschlossenen Führungskräften braucht es so etwas wie Solidität auf Gesellschafterebene. Damit meine ich all das, was wir hier bei PM FBC unter dem Begriff Inhaberstrategie zusammenfassen. Besonders wichtig scheinen mir in der aktuellen Krise klare Spielregeln für den Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit, auch auf Gesellschafterebene „gute“ Entscheidung in angemessener Zeit fällen zu können.


Gibt es etwas, das Sie den Familienunternehmen – gerade jetzt – mit auf den Weg geben möchten?

Wo immer sich Disharmonien oder Konflikte zeigen – und seien die Signale noch so schwach – hilft nur: ansprechen, thematisieren und bearbeiten! Nichts lähmt ein Unternehmen und eine Familie mehr als ungelöste, schwelende Konflikte.


Lieber Herr Kastrup, wir bedanken uns für das Interview.