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Jenseits von Corona

5 Wünsche für Deutschlands Familienunternehmer

von Peter May

In wenigen Tagen beginnt das Jahr 2021. Es braucht nicht viel Fantasie um vorherzusagen, dass es ebenso wie 2020 im Zeichen der Corona-Krise stehen wird. Wir werden also weiter all unseren Optimismus, unseren Pragmatismus, unseren Ideenreichtum, unser Verantwortungsbewusstsein und gelebte Solidarität brauchen, um diese Krise für uns, unsere Familien und unsere Unternehmen heil zu überstehen. Aber so sehr wir uns auch bemühen und anstrengen, allein werden wir das Virus und seine Folgen nicht besiegen. Wir werden Hilfe brauchen und auch eine gehörige Portion Glück. Bitten wir darum, dass uns beides in ausreichendem Umfang zuteil wird.

Aber die Corona-Krise ist nicht die einzige Herausforderung, der wir Familienunternehmer uns stellen müssen. Ich habe deshalb einmal formuliert, was mir für Deutschlands Familienunternehmen im Moment besonders wichtig erscheint. Herausgekommen sind fünf zentrale Wünsche für 2021. Ich hoffe, Sie helfen Ihnen ein wenig bei der Navigation in unsicherem Gelände.


1. Wir müssen weniger streiten

Neid, Eifersucht und Missgunst gibt es in jeder Familie. Und damit auch in jedem Familienunternehmen. Aber wir müssen endlich lernen, wie man familiäre Streitigkeiten in Unternehmerfamilien verhindert oder zumindest vom Unternehmen fernhält. Öffentlich ausgetragene Streitigkeiten auf Dallas-Niveau zerstören Familien, gefährden das Unternehmen und beschädigen das öffentliche Bild vom guten Familienunternehmer. Damit muss Schluss sein. „Friede ernährt, Unfriede verzehrt“, das Motto des Miele-Gründers, sollte 2021 im Stammbuch aller Unternehmerfamilien stehen.


2. Wir müssen digitaler werden

Die Corona-Krise hat 2020 nicht nur einen gewaltigen Digitalisierungsschub gebracht, sie hat auch Deutschlands Defizite im digitalen Bereich schonungslos offengelegt. Für 2021 wünsche ich mir, dass Deutschlands Familienunternehmen das Thema Digitalisierung ganz oben auf ihre Agenda setzen. Unsere Zukunft wird digital sein und wer sich nicht schnell genug darauf einstellt, wird vom Markt verschwinden – vielleicht früher, vielleicht später, aber mit Sicherheit. Wir müssen alles daransetzen, unsere Geschäftsführungen und Beiräte mit digitaler Kompetenz auszustatten.


3. Wir müssen diverser werden

Deutschlands Familienunternehmen sind Schlusslicht in puncto Diversität. Auch das war eine der traurigen Erkenntnisse des Jahres 2020. Wenn wir unsere Geschäftsführungen und Beiräte nicht endlich weiblicher, jünger und internationaler machen, verschenken wir wertvolles Potenzial und werden irgendwann den Anschluss verlieren. Wissenschaftliche Studien haben längst belegt, dass ausgewogen divers besetzte Governance-Gremien Unternehmen besser und erfolgreicher machen. Mit dem Festhalten an Traditionen werden wir die Zukunft nicht gewinnen.


4. Wir müssen noch nachhaltiger werden

Das wahrscheinlich wichtigste und drängendste Thema der Menschheit ist die Umstellung unserer Lebensweise auf ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell. Das auf unbegrenztes Wachstum setzende marktkapitalistische Konzept stößt zunehmend und erkennbar an seine Grenzen. Familienunternehmen gelten zurecht als Vorbilder in Sachen Nachhaltigkeit, bislang gilt das allerdings nur für die ökonomische und soziale Seite der Nachhaltigkeit. In puncto ökologische Wirtschaftsmodelle und Wirtschaftsweisen verhalten sich viele Familienunternehmen nicht besser als ihre Konkurrenten.

Dabei sollten gerade sie ein besonderes Interesse am Erhalt einer intakten Umwelt haben. Enkelfähigkeit lässt sich nämlich nur erreichen, wenn nicht nur das Unternehmen und die Familie, sondern auch seine Lebensumwelt generationenfest gemacht werden. Die gute Nachricht zum Schluss: Ich habe hierzu in 2020 ein Umdenken gespürt und viele erfolgversprechende Ansätze gesehen. Ich wünsche mir, dass das weitergeht. Und das unsere Familienunternehmen insgesamt zu Vorbildern in Sachen ökologische Nachhaltigkeit werden.


5. Wir müssen solidarisch sein

Die Corona-Krise hat auch das Solidaritätsdefizit unserer westlichen Gesellschaft schonungslos offengelegt. Jeder ist sich selbst der Nächste, Rücksichtnahme oder gar Opferbereitschaft sind selten anzutreffen. Stattdessen schreit jeder nach dem (sonst so verhassten) Staat, der die Gesundheit schützen, Einschränkungen der persönlichen Freiheit auf ein Mindestmaß begrenzen und wirtschaftliche Nachteile möglichst vollständig ausgleichen soll.

Dabei vergessen wir, dass wir selbst diesen Staat bilden, dass ein funktionaler Staat eine ebenso funktionstüchtige Gesellschaft voraussetzt und dass wir als Gesellschaft eine Solidargemeinschaft bilden. Wir werden diese Krise und ihre Folgen nur meistern, wenn wir wieder mehr in Wir- und nicht nur in Ich-Kategorien denken und handeln. Familienunternehmen haben daran ein besonders Interesse. Ohne funktionierende Gesellschaft gibt es auf Dauer keine funktionierenden Familienunternehmen.

Ich wünsche mir, dass wir aus der Defensive kommen, unsere Stimme erheben und Vorschläge unterbreiten, wie wir Solidarität in Krisenzeiten leben wollen. Wir haben viel zu sagen. Immerhin ist ein gelebter Familienkapitalismus das beste Wirtschaftsmodell, das der Mensch bis heute hervorgebracht hat.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes neues Jahr 2021. Denken Sie daran: Die angesprochenen Fragen sind Inhaberfragen. Vieleicht holen Sie zwischen den Jahren Ihre aktuelle Inhaberstrategie hervor und schauen nach, welche Antworten auf die aktuellen Herausforderungen sie enthält. Und wenn das Ergebnis Ihnen nicht gefällt oder nicht genügt … dann sollten wir in 2021 darüber sprechen.


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