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Wenn Privates die Firma betrifft

Vermeintlich ganz private Ereignisse können bei Mitgliedern des Gesellschaf-terkreises sehr unangenehme Auswirkungen auf das Unternehmen haben. Welche Stolpersteine Gesellschafter kennen sollten und was sie über deren steuerliche oder rechtliche Folgen wissen müssen.

15.12.2019 von Dr. Karin Ebel

Veränderungen im Privatleben von Gesellschaftern, die Auswirkungen auf das Unternehmen haben können, werden häufig nicht rechtzeitig als relevant erkannt, weil sie als rein privat empfunden werden. Besonders wenn es sich um emotional belastende Situationen handelt, fehlt häufig die Einsicht, dass alle Gesellschafter von den Auswirkungen betroffen sein können und die Möglichkeit haben sollten, rechtzeitig zu handeln. Folgende Situationen sollten deshalb ernst genommen werden, weil sie sich unmittelbar oder im Laufe der Zeit zu einem Problem für alle Gesellschafter entwickeln können:

 

Studium im Ausland

Seien Sie wachsam, wenn Kinder ins Ausland gehen, insbesondere bei einem Umzug außerhalb der EU. Wenn daraus ein längerer Aufenthalt wird und das im Ausland lebende Familienmitglied Anteile erhält (z.B. aufgrund eines Erbfalls), unterliegt der Erbteil möglicherweise der Besteuerung in zwei Staaten. Auch die Wegzugsbesteuerung ist zu beachten, wenn der Aufenthalt längerfristig sein wird. Klären Sie die möglichen steuerlichen Folgen frühzeitig und gemein-sam mit den Kindern. Ansonsten kann es zu Auseinandersetzungen in der Familie kommen, wenn Kinder – aus steuerlichen Gründen – zurück nach Hause kommen müssen.

 

Hochzeit zukünftiger Gesellschafter

Die Hochzeit eines zukünftigen Gesellschafters ist erst einmal eine rein private Angelegenheit. Sobald er aber Anteile er hält, unterliegt er den Anforderungen des Gesellschaftsvertrages. In den meisten Fällen muss das Vorliegen eines Ehevertrages innerhalb weniger Monate nach Eintritt in den Gesellschafterkreis nachgewiesen werden. Gerade wenn die Anteile durch einen Erbfall übertragen werden, wird nicht sofort an den erforderlichen Ehevertrag gedacht. Deshalb sollten zukünftige Gesellschafter bereits bei der Heirat einen Ehevertrag abschließen.

 

Geburt eines Familienmitglieds in den USA

Kinder, die in den USA geboren werden, haben automatisch (auch) die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Dies führt zu einer unbeschränkten Steuerpflicht in den USA. Hierzu gehören auch umfangreiche Reportingpflichten. Die Abgabe der US-Staatsangehörigkeit ist ebenfalls ein komplizierter formaler Akt. Klären Sie deshalb frühzeitig mit allen Beteiligten, wie mit der Doppelbesteuerung in Deutschland und den USA umgegangen werden soll.

 

Wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Mitgesellschafters

Die wirtschaftliche Schieflage eines Gesellschafters belastet den gesamten Gesellschafterkreis, wenn auf erhöhte Ausschüttungen gedrängt wird oder die Vollstreckung in den Anteil droht. Die meisten Gesellschaftsverträge sehen einen Ausschluss gegen Abfindung vor. Aber selbst wenn die Abfindung unter dem Verkehrswert liegt, geht dem Unternehmen Liquidität verloren. Zusätzlich ist der Ausschluss des Mitgesellschafters für die Familie sehr belastend. Versuchen Sie deshalb, einem Mitgesellschafter mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten rechtzeitig zu
helfen, um eine Insolvenz zu vermeiden.

 

Erkrankung mit Handlungsunfähigkeit

Erkrankt einer Ihrer Mitgesellschafter und ist dadurch handlungsunfähig, sollten Sie auf die Beschlussfähigkeit bei Gesellschafterversammlungen achten. Fehlt eine Vorsorgevollmacht, ist ein Beschluss unter Verzicht auf die Formalien nicht mehr möglich. Auch muss die Gesellschafterversammlung ggf. ein weiteres Mal einberufen werden. Fragen Sie also frühzeitig alle Gesellschafter, wie sie den Notfall abgesichert haben. Ohne eine notarielle Vollmacht sollte im Fall der Handlungsunfähigkeit eines Gesellschafters umgehend ein Betreuungsverfahren eingeleitet werden, damit die Gesellschafterversammlung entscheidungsfähig bleibt.

Erbfall eines Mitgesellschafters

Wie im Fall der Handlungsunfähigkeit gilt es, schnell zu klären, wer Erbe der Beteiligung wird und wer die Stimmrechte ausüben darf. Welche Dokumente sind erforderlich und wer kann in der Zwischenzeit entscheiden? Hier sind postmortale Vollmachten eine wesentliche Hilfe.


Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in: INTES-UnternehmerBrief, 03/2019

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